Warum ist die Metallindustrie wichtig für medizinische Geräte?

Überall auf der Welt leben Menschen länger und nehmen aktiver am Alltag teil – und das vor allem durch die zunehmenden Fortschritte auf dem Sektor der Medizintechnologie. Diese technische Evolution verdankt sich in erster Linie den Entwicklungen von Metallen und Legierungen, die bei der Produktion von medizinischen Geräten eingesetzt werden.

Die Metallindustrie weist im Gleichschritt mit der Medizintechnik eine lange Geschichte bei der Innovation, Entwicklung und Verarbeitung von Metallen und Legierungen auf. Das ermöglichte die Entwicklung neuer Geräte, die von kleinsten Schrauben für Implantate bis hin zu komplexen ferngesteuerten chirurgischen Instrumenten reichen. Diese Geräte und Kleinstteile müssen strengen Auflagen genügen, vor allem im Bereich der Verlässlichkeit, Haltbarkeit und Hygiene. Um diesen Vorgaben auch in Zukunft genügen zu können, müssen sich die Metallindustrie sowie die Medizintechnik beständig weiterentwickeln.

Bis dato beherrschte Edelstahl die Branche und galt als die erste Wahl, wenn es um medizinische Geräte ging, doch längst drängen andere Metalle und Legierungen auf den Markt. An erster Stelle steht hier die Legierung SS304, die durch ihre hervorragende Kombination aus Korrosionsbeständigkeit und geringen Produktionskosten zum Marktführer geworden ist. Andere Metalle und aus ihnen resultierende Legierungen, die in der Medizintechnik zum Einsatz kommen, sind Titanium, Niobium, Tantalum, Nitinol (Nickel-Titanium) oder Kupfer. Weitere Herausforderungen, mit denen die Hersteller von medizinischen Geräten auf dem Metallsektor konfrontiert sind, ist die Biokompatibilität, also die Verträglichkeit des jeweiligen Materials mit dem menschlichen Organismus. Um nicht abgestoßen zu werden, müssen die Geräte wieder und wieder getestet und verbessert werden. Erst nach langwierigen und aufwändigen Tests erhalten sie grünes Licht und dürfen in die Massenproduktion gehen.

Vor allem im Bereich der orthopädischen Prothesen gibt es in den letzten Jahren zahlreiche Weiterentwicklungen (Knie, Hüften, Schultern, Ellbogen). Aber auch im kardiovaskulären Bereich, also etwa bei Herzschrittmachern oder künstlichen Gefäßen, kommt stets Metall zum Einsatz. Und das darf nicht mit dem menschlichen Blut reagieren oder verunreinigt sein. Zudem muss die Oberfläche so beschaffen sein, dass sich keine Bakterien daran festsetzen können. Das kann nur die sogenannte Elektropolitur garantieren, ein elektrochemisches Abtrageverfahren. Alle anderen Veredelungsvarianten des Metalls haben gewisse Nachteile.

Der problemfreie Einsatz von insbesondere internen medizinischen Geräten wie Herzschrittmachern ist zudem für Krankenversicherungen relevant. Kürzere Genesungsphasen sind essentiell für den Gesamtzustand des Patienten und verringern im Idealfall Kosten. So gilt es also, Infektionen oder gar Abstoßungen um jeden Preis zu verhindern, da diese für eine verlängerte Erholungszeit des Patienten sorgen können – im schlimmsten Fall gar für eine erneute Operation.

Der Herstellungsprozess von neuen medizinischen Geräten ist aufwändig, da nicht nur die Metallindustrie involviert ist, die mit möglichst guten Rohstoffen beliefert werden muss, sondern auch die Medizinindustrie, die ihre Entwürfe und Vorstellungen von der Funktionalität eines Gerätes mit der Herstellerfirma abstimmen muss. Der Hersteller wiederum muss strengsten Reglementierungen entsprechen, damit sein Produkt überhaupt auf den Markt kommen kann. Die Risikominimierung steht dabei immer noch an erster Stelle. Die Kosten für den Endverbraucher, also den Patienten, können dann erheblich sein, doch lohnt sich der stetige Fortschritt auf diesem Sektor nicht zuletzt, da er viele Leben retten kann.